BRIENZ – Graubünden




Fels- und Schuttrutschung

Bereits im Mai 2023 mussten die Bewohner den Ort Brienz vorübergehend verlassen. Im Juni donnerten mehr als eine Million Kubikmeter Geröll ins Tal und landeten knapp neben dem Dorf.

2024 müssen die Bewohnerinnen und Bewohner wieder gehen – wohl für länger.

„In der Schutthalde hoch über Brienz/Brinzauls bewegen sich seit der zweiten Septemberhälfte 2024 rund 1,2 Millionen Kubikmeter Felsschutt mit 20 bis 35 Zentimetern pro Tag talwärts. Es besteht die Gefahr, dass er sich löst und dann als schneller Schuttstrom in Richtung des Dorfes abgleitet. Das Dorf wurde evakuiert. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Ort mehrere Monate nicht betreten werden kann.“ https://www.graubuenden.ch/de/news/brienzer-rutsch

Die Rutschungen ereignen sich unterhalb des Piz Linard (2767 m.ü.M.). Die jüngere Aktivität in den steilen Hängen oberhalb von Brienz findet auf 1.600 bis 2.000 Meter Höhe statt – also unterhalb aktueller Permafrostregionen. Das Auftauen des Permafrosts gilt hier nicht als Auslöser. Allerdings könnte der Klimawandel hier indirekt wirken – durch zu große Trockenheit oder auch Starkregenfälle. Auch Wasser im Berg spielt dabei eine Rolle. Hier ist es wahrscheinlicher, dass die fortschreitende langsame Bewegung des tieferen Rutschungskomplexes, in dem sich die „Insel“ befindet, höhere Hänge unterhalb des Piz Linard aktiviert hat.

Die steilen Hänge des Albula-Tals haben sich über glaziale und interglaziale Zeitskalen hinweg gebildet. Diese Region hat in der Nacheiszeit, also in den letzten rund 10.000 Jahren, viele sehr große Hangrutschungen erlebt.

Diese Massenbewegungen werden durch die Schwerkraft angetrieben. Sie finden an steilen Hängen statt, die wiederum durch andere Prozesse entstanden sind. Und sie werden häufig durch das Eindringen großer Wassermengen oder Erschütterungen wie Erdbeben geschmiert und ausgelöst.

Der Klimawandel spielt hier keine unmittelbare Rolle. Wenn sich die Niederschlagsmengen jedoch ändern, hat dies Auswirkungen auf die Muster und die Wahrscheinlichkeit von Massenabgängen in Gebirgen. Auf dieser Ebene lässt sich die Rolle des Klimawandels erkennen.